Es begann schon lange vor dem Jahr 2011, da hatte das Unternehmen Carnival Corp. eine Idee. Puerto Plata, im Norden der Dominikanischen Republik, war einst ein gut besuchter Hafen für Kreuzfahrtschiffe. Die neuen Cruiseliner waren jedoch zu groß, der Hafen von Puerto Plata hatte nicht genug Tiefe. Die Verbindungen mit Puerto Plata wurden auf den Karibik-Kreuzfahrten gestrichen.
Mit einem neuen Anleger, etwas außerhalb von Puerto Plata (Maimon), könnte man das interessante Ziel wieder anfahren. Schließlich hat die Provinz Puerto Plata reichlich interessante Sehenswürdigkeiten für einen Tagesausflug zu bieten. Ocean World, Seilbahn, die 27 Wasserfälle wären nur wenige davon. 2011 wurde dann von der US-Reederei das Projekt „Amber Cove Port“ bekannt gegeben. Der Ex-Regierungspräsident Dr. Leonel Fernandez rühmte sich mit diesem Projekt und Tourismusminister Francisco Javier Garcia wie auch Fernandez sahen ein blühendes Puerto Plata. Der erste Spatenstich war schnell getan und schon 2 Jahre später sollte der Hafen eingeweiht werden.
Danach jedoch (nach dem Spatenstich) geschah nichts mehr. Keine Baufahrzeuge, kein Sack Zement waren zu sehen. Zeitgleich war Fernandez einmal mehr auf einer Rundreise, besuchte unter anderem Palästina. Hier gab er bekannt dass er dieses Land als unabhängigen Staat anerkenne. Mit dieser Aussage brachte man in Zusammenhang dass Carnival Inc. kein Interesse mehr habe an dem Projekt. Schließlich ist der Präsident ein Jude und hat israelische Wurzeln. Sollen ihm die politischen Äußerungen nicht gefallen haben und die Dominikanische Republik nicht mehr als Geschäftspartner gefallen?
Die Antwort war viel einfacher. Nachdem man das Unternehmen fragte warum man denn nicht mit dem Bau beginne kam eine Aussage die jedem Investor die Augen öffnen sollte: Man kann nicht mit dem Bau beginnen, es fehlen noch die Genehmigungen vom Tourismusministerium und Umweltministerium. Viele bisherige Anleger hier im Land werden nun die Ohren klingeln. Man kennt die Masche. Entweder man zahlt um die Genehmigungsprozesse zu beschleunigen – oder man ist blauäugig und fängt schon mal an. Dann allerdings schlagen meist die örtlichen Funktionäre zu. Wegen mangelnder Lizenzen werden dann Strafgelder erhoben.
Carnival Corp. zeigte sich weitsichtig, man geht keine korrupten Wege. Nein, man werde keine weiteren Dollar zahlen, man warte. Ein Schlag ins Gesicht der Regierung. Diese stellte dann fest dass man die langen Genehmigungsprozeduren verkürzen müsse, schließlich wollen Investoren schnell ihr Projekt fertig stellen und Gewinne erzielen und nicht ewige Zeiten warten.
Also mit einer Fertigstellung bereits im Jahr 2013 wurde es nichts. Es kam nicht nur wegen der fehlenden Genehmigungen zu Verzögerungen, die Regierung hatte auch andere Zusagen gemacht, zum Beispiel den Bau von Kiosken und eine Zufahrtstraße vom Hafen zur Schnellstraße Puerto Plata – Navarrete.
Der Hafen wird einen Marktplatz haben, ausreichend Parkplätze und die Kioske und Geschäfte in denen Boutiquen, Cafeterias, Restaurants, Bars und andere untergebracht sein werden. Wer allerdings als Kreuzfahrttourist mehr sehen möchte, der kann Schnorcheln und Tauchgänge buchen, Reitausflüge am Strand werden ebenso angeboten wie City-Touren nach Puerto Plata (mit Besichtigung der Rumfabrik, dem Bernsteinmuseum und ebenfalls wird gezeigt wie Zigarren produziert werden).
Das gesamte Gelände umfasst 30.000 Quadratmeter und die Investitionskosten lagen zum Zeitpunkt der Planung bei 65 Millionen USD. Am Ende diesen Jahres wird man die Gesamtkosten genauer kennen.
Laut Aussage der Carnival-Geschäftsleitung werden die Schiffe Carnival Breeze, Carnival Glory, Carnival Splendor und Carnival Victory von Miami aus den Norden der Dominikanischen Republik ansteuern. Die Carnival Conquest startet von Fort Lauderdale und die Carnival Sunshine und Carnival Valor kommen vom Hafen Canaveral. Von Charleston erwartet man in Maimon die Carnival Fantasy. Täglich können bis zu 2 Schiffe an den Anlegern vor Anker gehen. Noch in diesem Jahr erwartet man dann die ersten 100.000 Besucher im Amber Cove.
(Dieser Artikel (oben) wurde im Januar 2015 verfasst)
Update:
Amber Cove ist nahezu fertig gestellt. Letzte Feinheiten müssen noch gemacht werden, doch Carnival Corp. ist fertig mit seinem Projekt, welches nun letztendlich 85 Millionen USD gekostet haben soll. Damit haben sich die geplanten Baukosten um mehr als 30% erhöht. Die dominikanische Regierung, speziell durch das Ministerium für Öffentliche Werke und Kommunikation hingegen hinkt dem Zeitplan hinterher. Die 4spurige Zufahrtstraße ist eine Tag und Nacht Baustelle, kaum machbar dass man die knapp 4 Kilometer lange Trasse bis Puerto Plata zum Eröffnungstag (6. Oktober) fertiggestellt hat. Positiv ausgedrückt: man gab sein Bestes, aber nicht genug.
Die Mülldeponie wurde viel zu lange weiter betrieben. Das neue Gelände für den Abfall der Provinzstadt Puerto Plata liegt dahinter. Es gab, wie zu erwarten, Probleme mit den Grundstückseigentümern. Die Verlegung der Mülldeponie ist somit ebenfalls nicht im von Carnival Corp. geforderten Zeitrahmen fertig geworden. Um die Touristen nicht mit dem Anblick der Müllberge zu konfrontieren wurde ein riesiger Erdwall angelegt. Nun sieht man keinen Abfall mehr, kann ihn aber sehr gut riechen. Hier ist noch viel Nachbesserung erforderlich bis zum Stichtag.
Derweil hat es in Puerto Plata viele Programme gegeben mit denen man den Touristen zeigen will dass man sie Willkommen heißt. Taxifahrer vom Amber Cove bekamen Englisch-Unterricht, etwas mehr als 40 verschiedene Touren werden angeboten, sie sind in Qualität und Sicherheit ausgiebig geprüft worden. Für die Sicherheit wurden 200 CESTUR-Polizisten an die Nordküste versetzt. Man versucht alles um Übergriffe auf die Reisenden zu vermeiden.
In der ersten Saison erwartet man mehr als 300.000 Besucher, manche hoffnungsvolle Rechnung geht schon von 400.000 und mehr Passagieren aus welche Puerto Plata besuchen werden. Der Region und ganz speziell der Bevölkerung bietet sich nun eine große Chance. Nicht zuletzt deshalb gibt es auch die Aktion „sonrie, tu eres Puerto Plata“. Mit einem Lächeln soll jeder den Touristen begegnen. Wünschen wir uns, dass das Volk auch einen Grund zum Lächeln hat und nicht nur Unternehmer und Investoren sich die Taschen füllen sondern die Arbeiter auch einen adäquaten Lohn für ihre Leistungen erhalten.