Reden wir von Alkohol, dann kommt einem, im Zusammenhang mit der Karibik, Rum in den Sinn. Der aus Zuckerrohr gebrannte Schnaps begeisterte schon die Piraten, heute die Touristen und natürlich auch die Einwohner. Jede Karibikinsel ist berühmt für seine Rum Destillen und selbst Haiti, ein Land das man eher mit Elend und Armut in Zusammenhang bringt, hat hier etwas erstklassiges zu bieten. Barbancourt Rum zählt zu den Spitzen Rumsorten, sorgfältig gealtert und gelagert entwickelt er einen zarten Geschmack.
Allerdings, auch das ist bekannt, ist Rum kein billiger Fusel, im Gegenteil, manches Destillat erreicht in limitierten Auflagen Preise von weit über 1.000 USD, wohlgemerkt pro Flasche!
In Haiti sind aber nur wenige Einheimische in der Lage ihr Topprodukt zu kaufen, also lag es nahe, etwas anderes zu brennen, einen Rum der billig ist. Die Geburt von Clairin war gekommen, außerhalb Haitis so gut wie unbekannt, selbst in der Dominikanischen Republik kennen nur wenige diesen Rum.
Clairin, oder auch als Kleren bekannt, ist ein einfach gebrannter Rum, obwohl es einige Destillate gibt, wo man doch ein wenig handwerkliche Kunst einfließen lies und der Rum so einen zwar eigentümlichen, aber milderen Geschmack bekommt. In der Regel jedoch ist Kleren ein Rum der in hunderten kleiner privater Brennereien entsteht. So schmeckt er denn auch, etwas das brennt, wie Spiritus aus dem Versuchslabor.
In den Brennereien geht alles einfacher zu, Veredelung kennt man hier nicht. Man schlägt das Zuckerrohr mit der Machete auf den Feldern, dann presst man die Stangen aus und fängt den Saft auf um daraus den Alkohol zu gewinnen. Der gepresste Saft hat noch eine bräunliche Farbe, das Destillat am Ende der Prozedur ist klar wie Wodka.
Der Kleren ist nur einmal destilliert, wird in Kunststofftanks abgefüllt und zu den Märkten und Abnehmern gebracht, hier wird er dann in Flaschen abgefüllt. Mancher Wiederverkäufer fügt nun Kräuter oder Früchte hinzu um den Geschmack zu verfeinern.
In Haiti wird der Rum auf der Straße verkauft, die Kunden kennen ihre „Schnapsbrenner“ und ihre Qualitäten, am Ende zählt aber der Preis. Markennamen, Produktregistrierung, Etiketten usw. sucht man vergeblich, der Kleren wird in gebrauchte Whisky- und Rumflaschen abgefüllt. Der an sich billige Rum wird oft von skrupellosen Händlern mit Methanol gestreckt, solche Panscherei war schon oft tödlich für Konsumenten. In Haiti bekommt man einen Liter Kleren für rund 1.36 USD (1,15 Euro), das ist nur 1/8 des Preises, den man für den billigsten Barbancourt Rum zahlen muss. 60 % der Bevölkerung in Haiti lebt mit weniger als 2 USD am Tag, dementsprechend sind die Preise für den einfach gebrannten Rum gerade noch erschwinglich.