Dominikanische Republik: Kein 911 Notruf, aber perfekte Erste Hilfe!

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Montecristo.- Das Notrufsystem 911 wird in der Dominikanischen Republik kontinuierlich ausgebaut. Es begann in den Großstädten und wer das Pech hat, weit entfernt in einer kleinen Gemeinde zu leben, der wird noch lange auf diesen Service warten müssen. Nicht so in der Provinz Montecristi, in der Gemeinde Manzanillo. Hier hilft man sich selbst.

 

 

Um 10.23 Uhr geht der Notruf bei der Feuerwehr ein, ein junger Mann hatte einen Motorradunfall. 10.27 Uhr: der junge man trägt eine orthopädische Halskrause zur Stabilisierung. Der rechte Arm ist gestützt, Sanitäter haben mit einem Sicherheitsband das Unfallgebiet abgesperrt. Auf einer Trage bringt man den Mann in einen Ambulanzwagen, zwei Minuten später ist er im Krankenhaus. Hier endet die Simulation eines Unfalls, eine Übung für das gesamte Team von Feuerwehr und Sanitätern.

Dies alles verläuft so professionell, dass man an den Einsatz des 911 Teams aus Santo Domingo denkt, man ist aber in der Grenzgemeinde Pepillo Salcedo, weit entfernt von allen bisher existierenden 911 Notrufzonen. 2014 verkündete Regierungspräsident Danilo Medina die erste 911 Einrichtung in Santo Domingo. Es hatte bis dahin 3.374,2 Millionen RD$ gekostet, dieses Hilfssystem an den Start zu bekommen. Das war auch der Zeitpunkt, wo man sich in der kleinen Gemeinde, an der Grenze zu Haiti, organisierte. Man plante und organisierte sein eigenes Hilfssystem.

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„Beacon“ nannte man das Hilfsprojekt, es basiert auf einem Netzwerk von 32 Freiwilligen, meist Jugendliche zwischen 17 und 20 Jahren sowie der Feuerwehr. Der Notruf geht hier bei der Feuerwehr ein, dazu gibt es einen Computer in den alle wichtigen Infos eingetragen werden, zum Beispiel Unfallort, Name des Anrufers und um welche Art Notfall es sich handelt. Diese Informationen sind wichtig für den kommenden Einsatz.

Das Rettungsteam hat verschiedene Fahrzeuge in Bereitschaft. Eine Motorrad-Ambulanz, ein Löschfahrzeug, ein Ambulanzfahrzeug und ein Streifenfahrzeug.

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Der Notruf wird dann automatisch an die Handys der in Bereitschaft stehenden Freiwilligen weitergeleitet, oder per SMS und eine Nachricht per App (Beacon). Diese Idee, der man schon in Puerto Plata und in Mwanza (Tansania) folgte, kam auf, als sich das Katastrophenbeben im Jahr 2010 in Haiti ereignete.

Es war Jason Friesen, Geschäftsführer der ONG „Trek Medics“, der diese Idee hatte. Bei seinem Einsatz in Haiti hatte er ein Baby im Arm, es litt an Atemnot, 7 Krankenhäuser hatte er vergeblich aufgesucht um Hilfe zu bekommen. Friesen lief die Zeit davon und er kam auf den Gedanken, mit einem lokalen Notrufsystem, in einem abgelegenen Gebiet, kann man Zeitverlust vermeiden, indem mann sofort erfährt, an welches Hospital man sich wenden kann.

In Manzanillo saß der Chef der Feuerwehr, Guillermo Ramon Soriano mit nackten Händen da, man hatte nichts. Es war dringend notwendig den Service zu verbessern um überhaupt einen Dienst anbieten zu können. Der LKW, den man hatte, war eine Spende der Gemeinde Guayubin, er war fahruntüchtig, hatte einen Motorschaden. Soriano ist Mechaniker, hat Industriemechanik / Schiffstechnik studiert. Dank seiner Kenntnisse konnte er einen alten Schiffsmotor so umbauen, dass er in den LKW passte und das Fahrzeug wieder fahren konnte.

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Weiter hatte man von den „Fliegenden Ärzten“, einer weiteren Hilfsorganisation, im Jahr 2011 eine Spende bekommen, ein Ambulanzfahrzeug. 2013 wandte man sich an den UN – Friedenstrupp. Diese US-Organisation hat dann die Verbindung hergestellt zur ONG Trek Medics International. Seit 2014 begann man dann mit der Ausbildung der ersten 14 Sanitäter, mit der Einführung der App Beacon. Trek konnte dann via USAID (US Agentur für Entwicklung) eine Spende von 50.000 USD bekommen.

Mit diesem Geld kauften die Helfer von Guayubin einMotorrad für Patrouilleneinsätze, zwei weitere baute man zu Motorrad-Ambulanzen um. Dann begann man mit der „Werbung“ für den neuen Notfallservize, hing überall Plakate auf mit der Telefonnummer. So verbreitete sich schnell die Information bei den Bewohnern. 2014 reiste Soriano dann in die USA, wurde dort weiter ausgebildet. Hier bekam er weitere Ausstattungen für den Einsatz geschenkt. Mit den ganzen Materialien ist die Feuerwehr von Manzanillo heute eine der am besten ausgestatteten Feuerwehren im Land.

Heute besitzt man eine Sauerstoffflasche, Schutzkleidung gegen giftige Verunreinigungen und viele Dinge mehr.

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