Dominikanische Republik: Mindestlöhne aller Sektoren reichen nicht aus

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Fragt man Touristen, „was mögt ihr an Dominikanern?“, bekommt man folgende Antworten: Gastfreundschaft und Lebensfreude, neben anderen Gründen, stehen an erster Stelle. Als Resident kennt man die Wahrheiten im Lande, die sich hinter dem Lächeln in den Mauern einer Hotelanlage verbergen. Es gibt viel Leid, Sorge, Depressionen und auch Selbstmorde. Die miserable wirtschaftliche Lage ist häufig der Grund, warum manche Personen sich das Leben nehmen, hoffnungslos verschuldet.

Die Mindestlöhne sind unterschiedlich, je nach Arbeitssektor höher oder geringer. Alle gemeinsam haben: es reicht nicht, damit sich ein dominikanischer Arbeiter den Familienwarenkorb leisten kann. Die basischen Produkte für das Leben einer Person liegen bei 14.000 RD$, in keinem Sektor reicht der Mindestlohn aus um dies zu bezahlen. Und dennoch, das Leben geht weiter, es wird gefeiert, wer sich offen in den Campos bewegt und aufgeschlossen ist, der wird auch gern auf einen „cafesito“ eingeladen. Herzlichkeit trotz Armut, man findet sie landesweit.

Armut ist überall präsent und die veröffentlichen Zahlen der Regierung, dass man immer mehr Menschen aus der Armut befreit habe, werden belächelt. Wie soll das auch funktionieren, wenn Kosten schneller steigen als Löhne? Das Gegenteil ist der Fall, viele Menschen (über 40 %) leben in der Armut, mehr als 10 % sogar in extremer Armut. Das bedeutet, hier liegt das Einkommen pro Person am Tag unter 1,25 USD! 

Egal, ob man im Sektor der Zuckerrohrverarbeitung, Schreinerei, Bauhelfer, Elektriker, Hausangestellte, Freihandelszone, Maler usw. arbeitet, die Mindestlöhne sind deprimierend, reichen nicht um die basischen Dinge eines Familienkorbes zu kaufen, geschweige man will etwas Geld ansparen. Bei Arbeitern im Gesundheit- und Erziehungsdienst, Personen mit Behinderungen, der dort gültige Mindestlohn reicht nicht, um den Familiären Warenkorb zu kaufen. Nach Angaben der Landeszentralbank (BCRD) lagen die Kosten dafür im November 2019 bei 14.465,46 RD$. 

Arbeiter im nicht kategorisierten Privatsektor haben Mindesteinkommen zwischen 10.730 RD$ und 17.610 RD$. Die Löhne des Personals hängen auch davon ab, wie groß das Unternehmen ist und welche Investitionen getätigt sind. Liegen diese zwischen 2 – 4 Millionen RD$, liegt der Mindestlohn bei 10.730 RD$, respektive bei 12.107 RD$ bei höheren Investitionen. Lediglich Wachleute, die in Unternehmen mit einem Instalationswert von mehr als 4 Millionen RD$ arbeiten, haben Mindestlöhne von 17.610 RD$, liegt der Wert unter 4 Millionen RD$, liegt der Mindestlohn bei 15.000 RD$. 

Arm dran, im wahrsten Sinne des Wortes, sind Arbeiter in der Landwirtschaft und auf Zuckerrohrfeldern. Die Zuckerindustrie zahlt einen Mindestlohn von 7.633,42 RD$ (150 Euro!), ein Feldarbeiter bekommt nach den letzten Verhandlungen des Lohnausschusses 198,24 RD$ pro Tag, bei einem 8 Stunden Arbeitstag. Besser verdienen die Maschinenführer großer Landmaschinen, sie bekommen 11.109 RD$ monatlich (Mindestlohn). 

Ein Mitarbeiter der Zone Franca darf mit einem Mindestlohn von 10.000 RD$ rechnen, im Tourismus, hierzu zählen Hotelarbeiter, Casino, Restaurants, Bars und Cafeterias, Nachtclubs und Pizzerien, Fast Food Einrichtungen, haben ebenfalls einen Mindestlohn, der die Kosten der grundlegenden Notwendigkeiten nicht bedeckt. 

Nach Angaben der Stiftung „SOL“ hat die Dominikanische Republik einen der geringsten Löhne in Lateinamerika. Weniger verdient man nur in Venezuela, Mexiko, Haiti und Nicaragua. 

Anmerkung der Redaktion: Mit zunehmenden Dienstjahren und mehr Qualifikationen kann man seinen Lohn zwar aufbessern, dennoch ist es schwer, davon leben zu können. Lediglich die Arbeiter im Tourismussektor können aufatmen, mit Hilfe der Trinkgelder kann man ein wenig besser leben als alle anderen Arbeiter, die nie ein Trinkgeld erhalten. 

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