Liest man Informationen über die Dominikanische Republik und die Bevölkerung, dann findet man folgende Informationen: Mehr als 95 % gehören dem Glauben der Katholischen Kirche an. Andererseits liest man auch von der Lebensfreude der Kreolen. Diese Eigenschaften begegnen einem dann auch bei der Reise durchs Land. Einerseits wird zu jeder Gelegenheit das Leben genossen, es wird getanzt und die Musik spielt laut. Dabei fließt der Alkohol in Strömen, kurioser Weise mehr Whisky als Rum. Man ist eben auf „internationalem“ Niveau.
Andererseits findet man überall „Glaubensbekenntnisse“, an den Scheiben der Autos und Busse, bis hin zu teils transparenten Jesus-Bildern die sinnigerweise auf Scheinwerfern kleben. Mangelnde Sicht spielt keine Rolle, denn es steht ja auf der Scheibe: Dios es mi guia! (Gott ist mein Führer). Auch Jesus viene! (Jesus kommt) findet man häufig und im alltäglichen Sprachgebrauch fehlt es nicht an religiösen Floskeln. Dios de bendiga (Gott segne Dich), Cuando Dios quieres (wenn Gott will), Dios te protege (Gott schütze Dich) oder vaya con Dios (Geh mit Gott) sind beliebte Sprüche, die schon einem Automatismus gleich, laufend aus den Mündern der Dominikaner kommen.
Sind sie wirklich so tief mit der Kirche und ihrem Glauben verbunden? Erste Zweifel kommen, wenn man in den Häusern Kreuze und Marienbilder findet, aber auch Zweige die Glück bringen sollen! Ist das nicht Frevel? Aberglaube und Glaube passen doch nicht zusammen. Oder das Osterfest. Jesus starb, opferte sich. Die der Kirche wird gepredigt und gebetet, man redet von Ruhe und Besinnung, Ehrung für das Opfer und man würdigt das Wunder der Wiederauferstehung. In der Dominikanischen Republik sind diese Attribute jedoch sehr schwach vertreten. Nur sehr wenige Menschen finden den Weg zur Kirche, die meisten reisen zur Familie aufs Campo, oder in Hotels und an die Strände.
typisches Strandbild zu Ostern
Einst rief die Vize-Präsidentin der Dominikanischen Republik, Dra. Margarita Cedeño, das Motto zum Osterfest aus: sie wünschte dem Volke eine Zeit der Besinnung, Erholung, Ruhe und Zeit zur Reflexion. Das gab eine Menge Widerworte in den sozialen Netzwerken, man warf der „First Lady“ vor, weltfremd zu sein. Sie fröne selbst dem Luxusleben, kenne die Probleme und Sorgen des Volkes nicht. Mit anderen Worten: das Volk pfeift auf die Wünsche der Vize-Präsidentin.
Tja, und was macht das Volk, um Probleme und Sorgen zu vergessen? Es feiert, oft bis zur Besinnungslosigkeit. Was dann reflektiert wird, ist der Mageninhalt. Die Zahl der Alkohol- und Lebensmittelvergiftungen ist hoch, macht auch vor Kindern und Jugendlichen nicht Halt. Besinnungslosigkeit statt Besinnlichkeit. Exzessives Feiern statt Enthaltsamkeit.
Per Gesetz wird am Karfreitag keine Musik gespielt (so sollte es sein), es gibt keinen Alkoholverkauf (offiziell). Doch Regeln sind ja in der Dominikanischen Republik dazu da um gebrochen zu werden!
Ruhe ist dann alles ab 120 dB, einen „fleischlosen“ Karfreitag gibt es ebenso wenig wie Besinnung. Es ist eher ein Fest der Sünde, denn der exzessive Genuss von Alkohol, dazu laute Musik, endet mit teils mehr als obszönen Tänzen in den Straßen, wie auch an der Playa. Verzicht und Fasten? Da sagt der Dominikaner: Jesus hätte auch getanzt, hätte er es nicht mit dem Kreuz gehabt!
Vielleicht sollte man das Verhalten einmal unter einem anderen Aspekt betrachten, nicht unter dem Religiösem. Man arbeitet hart, eine 6-Tage-Woche ist Standard in der Dominikanischen Republik. Es gibt nur wenige Urlaubstage, da ist doch die Osterwoche geradezu prädestiniert um einen Kurzurlaub einzulegen! Unter diesem Aspekt sollte man also die Dominikaner feiern lassen, es ist ihre Art der Oster-Kultur.
Helfer und Aufsicht, dennoch gibt es viele Opfer
Dass es in dieser Woche einen Ausnahmezustand gibt, darauf wird in vielen Reisekatalogen hingewiesen! Der Urlauber sollte darauf vorbereitet sein dass es auch die Urlaubshochsaison der Dominikaner ist. Restbestände an Zimmern in den Hotels werden auf dem nationalen Markt angeboten, die Belegungsquote liegt fast überall bei 100 %! Das bedeutet dann Gedränge am Buffet, Belagerung der Hotelbars, überall Dominikaner die allzu oft einfach nur mal „die Sau rauslassen“. Es ist definitiv nicht die Reisezeit für Touristen, welche wirklich Erholung und Entspannung suchen. Toleranz ist gefragt, wer wirklich „Land und Leute“ kennen lernen will, der hat hier zumindest die Chance das Volk einmal von seiner ausgelassenen Seite kennen zu lernen.
Die Zeit des Jammerns beginnt dann am Ostermontag, der hier im Land kein Feiertag ist. Dann kehrt wieder die Normalität ein, verknüpft mit der Realität, dem Abschlussbericht des COE (Notfalloperationszentrum). Trotz tausenden von freiwilligen Helfern gibt es dann wieder rund 20 Verkehrstote zu beklagen( binnen der Tage Karfreitag – Ostersonntag), einige Personen sind ertrunken (obwohl gefährliche Strandabschnitte und Balnearios mit einem Badeverbot belegt wurden), andere haben den Genuss (Exzess) von Alkohol und Lebensmitteln nicht überstanden.
Nicht in der Statistik enthalten sind die Opfer von Gewalttaten. Auch hier gibt es zahlreiche Verletzte (und Tote), denn unter dem Alkoholeinfluss kommt es zu Streitigkeiten und diese haben Folgen, auch wenn es über die Feiertage verboten ist Waffen mit sich zu führen. Doch wozu dienen Verbote? Richtig, man sollte sie doch umgehen?!
Wie immer Sie nun die Ostertage 2017 verbringen wollen (13.4. – 16.4. 2017), wir wünschen ihnen ein schönes Osterfest, ganz nach ihren Wünschen!