Haitis Holzkohlekonsum zerstört dominikanische Wälder

holzkohlesierrabahoruco

Santo Domingo.- Der immense Verbrauch an Holzkohle in Haiti führt zur Zerstörung der Wälder in der Dominikanischen Republik. Man kann aber den „schwarzen Mann“ von nebenan nicht für dieses Verbrechen verantwortlich machen. Es ist die dominikanische Regierung, vor allem durch ihre Einrichtung „Umweltministerium“. Dieses versagt auf ganzer Linie.

Wenn die dominikanischen Wälder sterben, dann stirbt die ganze Insel – Worte des Generaldirektors der Muralla Verde.

Eine neue Studie, welche in den vergangenen zwei Monaten erstellt wurde, zeigt ein organisiertes Verbrechen. Die Studie wurde durchgeführt vom PMT (Programa Medioambiental Transfronterizo).

Es beginnt bei den Herstellung mit einfachsten Holzkohlemeilern, über den Verkehr bis hin zum Handel in Haiti. Alles ist natürlich ungesetzlich, ist illegal. Man hat in den vergangenen Monaten und Jahren viel investiert, vor allem Spenden erhalten. Mit diesen Spenden sollte die Umwelt und die Naturressourcen geschützt werden. Man schaffte Patrouillenfahrzeuge an (4×4 Pick Up’s), Geländemotorräder und Sprechfunkgeräte.

So sollte vor allem in der Sierra de Bahoruco den Holzkohleproduzenten der Garaus gemacht werden. Erst kürzlich investierte man in hochmoderne Drohnen mit der man Gebiete bis zu 20 Kilometer Länge hätte überfliegen können. Stand 2009: man hatte eine Gruppe von rund 200 Holzkohleproduzenten, der Umsatz lag monatlich bei rund 37.000 Säcken Holzkohle, hergestellt in den Provinzen Bahoruco und Indepedencia. Wenigstens 12 LKW-Fahrer gab es damals die mit der Ware nach Haiti fuhren und dort an Händler übergaben.

Seither hat sich nichts gebessert, im Gegenteil, die Lage ist verheerender als zuvor. Immer größer sind die Schäden im Südwesten der Dominikanischen Republik, die Wälder der Sierra de Neyba und Sierra de Bahoruco lichten sich mit enormer Geschwindigkeit. Es gibt mehr Holzkohlemeiler, mehr Schmuggler, mehr Handel.

holzkohlehandel

Damit nimmt die Bioverscheidenheit in den Naturschutzgebieten ab, vor allem konnte man in den letzten Monaten aber weitere Auswirkungen erleben: Die Berge haben ohne Baumbestand keinen Halt, bei starken Regenfällen kommt es zu Erdrutschen.

Der Bedarf an Holzkohle ist groß. Vor allem in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince herrscht hohe Armut und eine extreme Bevölkerungsdichte. Strom gibt es kaum, Gas ist knapp. Holzkohle dient also vornehmlich zum Kochen. Es ist ein glänzendes Geschäft. Wenn die Fahrer die Holzkohle an den Ufern des Lago Azuei an haitianische Händler abliefern, kassieren sie den dreifachen Wert von dem was der Produzent in der DomRep verlangt. Die Händler transportieren die Holzkohle in die Hauptstadt, hier steigt der Preis nochmals.

Eine Gruppe von durchtriebenen Geschäftsleuten macht das große Geschäft, dank der korrupten Mitarbeiter in den Umweltämtern der Dominikanischen Republik. Sie sehen weg, oder sie finden aberwitzige Entschuldigungen warum man das Roden der Wälder genehmigt habe.

Die Jahresproduktion liegt nach der neuen Studie bei 445.788 Säcken, das entspricht 27.300 Tonnen Holzkohle. Der Sack Kohle wird in der DR für 200 RD$ verkauft, so generiert man im Jahr einen Umsatz von 2.5 Millionen USD, ohne auch nur in etwas investiert zu haben. Man nutzt einfach die vorhandenen Bäume. 2,5 Millionen USD Umsatz, das sind 89,2 Millionen RD$. Die Hälfte bekommt der Erzeuger (44,6 Mio. RD$), LKW-Fahrer erhalten weitere 25 % (22,3 Mio. RD$), der Rest geht an „Vermittler“ und die zahlen dann die notwendigen „Trinkgelder“ und „Geschenke“ an….

Die Zukunft der Dominikanischen Republik kann die von Haiti sein. Hier hat man kaum noch Baumbestand, das Land gilt als abgeholzt. Macht man jetzt nicht endlich einen Produktionsstopp in der Dominikanischen Republik, dann werden die Naturgewalten (Erdrutsche) zunehmen, weitere Umweltschäden folgen. Dazu gehört auch das Austrocknen von Seen und Bächen. Wie es wird? Man muss nur nach Haiti blicken.

Es gibt aber auch „Erfolgsmeldungen“. Pro Forma muss man ja auch mal gegen das Verbrechen vorgehen, ein paar Holzkohlemeiler vernichten, ein paar Sack Kohle beschlagnahmen, da lässt man sich gern feiern:

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