Rafael Bejaran, der Karibik-Tiger aus der Dominikanischen Republik

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Wir möchten hier die Geschichte von Rafael Bejaran erzählen, ein Leben, welches gezeichnet ist von Armut, Kampf, Familie, harter Arbeit und einem großen Traum.

Rafael wurde als ältestes Kind von 4 Geschwistern in Bonao, in der Mitte der Dominikanischen Republik geboren. Hier, inmitten der Dominikanischen Republik, arbeitete sein Vater als Straßenbauer. Viel Geld ist damit nicht zu verdienen, es ist harte Arbeit, verlangt nach Disziplin. Die große Familie wächst in Armut auf.

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Amateurboxer Bejaran will nach ganz oben

Sport ist ein Hobby von Rafael. Natürlich ist Baseball der Nationalsport und wer einem Baseballspiel nie beigewohnt hat hier im Land, der wird den Enthusiasmus eines Dominikaners nie nachvollziehen können. Kaum ein Junge, der nicht von einer Karriere in diesem Sport träumt, denn hier winkt das große Geld. Womöglich die Chance in der NHL in den USA zu spielen. Bejarans Vater wollte seinem Sohn auch eine Karriere im Baseball ermöglichen, doch Rafael konnte sich als „Einzelspieler“ nicht an einem Mannschaftssport erfreuen. Er vertraute auf seine Leistung, sein Können, beim Baseball konnte er sich nicht nach seinen Vorstellungen entwickeln.

Mit 11 Jahren konnte Rafael seinen Vater überreden ihn doch in einem Boxverein anzumelden. Zuvor hatte schon Rafaels Bruder als Sparring-Partner gedient. Beim Boxen zeigte „Rafa“, wie ihn seine Freunde nennen, seine Qualitäten. Sein Talent erkannten auch die Sportfunktionäre in der Dominikanischen Republik und beriefen den damals 17jährigen ins Nationalteam, im Jahr 2004 hatte Rafael seine erste Olympiateilnahme in Athen. Ein bisher einmaliges Erlebnis, auch wenn bereits nach dem zweiten Kampf die Olympiade in Griechenland für den dominikanischen Boxer beendet war.

Nicht nur im Sport reifte der junge Boxer, er verliebte sich in eine dominikanische Boxerin, schon bald wurde Tochter Charmin geboren.

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Weihnachtsurlaub 2016, Besuch in Bono bei Tochter Karmin

Mit dem Nationalteam kam Rafael dann nach Miami. Der junge Dominikaner zeigte das Beste im Sport, doch lebte er in Sorge. Wie sollte es mit ihm weiter gehen? In seinem Land gab es kaum, eher keine Perspektiven, weder sportlich noch bei der Arbeit. Da kam dann bei einem Aufenthalt in Florida das Angebot des kubanischen Promoters Henry Rivalta zu einem guten Zeitpunkt. Rivalta forderte Rafael auf, doch in Miami zu bleiben, dort zu boxen. Der Dominikaner dachte an seine arme Familie, an seine Mutter. Mit leeren Händen zurück in die Heimat? Oder im Boxen die Chance suchen, endlich Geld zu verdienen?

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Der Weg nach Deutschland brachte Erfolge und Titel

Die Entscheidung fiel, 2008 hat Bejaran seinen ersten Kampf als Profiboxer, schlägt den weniger erfolgreichen Kontrahenten Anthony Osbourne. Der Beginn einer bewegten Karriere, 9 Kämpfe in nur 13 Monaten zeigten deutlich, wie stark der Boxer aus der Dominikanischen Republik war. 2010 kämpft der Karibik-Tiger dann in seiner Heimat und schlägt seinen Landsmann Alexander Hernandez. Trotz der aktiven Zeit in den USA, der Vertrag war ausgelaufen, damit gab es auch kein Aufenthaltsvisum mehr für den Dominikaner.

Wieder stellte sich die Frage um das Geld, denn der junge Boxer dachte nach wie vor an seine Familie, an seine Mutter. Diese lebte vom Vater getrennt und als Ältester von insgesamt 4 Geschwistern sah er sich in der Verantwortung. Das Haus der Mutter sollte zumindest stabil und regendicht sein, keine Selbstverständlichkeit in dem Karibikstaat. Da die DR aber nach wie vor keine Option zum Geld verdienen bot, folgte Rafael dem Ruf aus Deutschland. Dort, so erzählte ihm sein Management, veranstaltet man Boxabende und dort kann man Geld verdienen. Seine Aufgabe: er sollte als Aufbaugegner den jungen Talenten in Deutschland dienen.

Die Ankunft in seiner heutigen Heimat war alles andere als gastfreundlich. Nach der Abholung vom Flughafen brachte man ihn ins Gym, im Box-Camp musste er auch schlafen, ein Hotel oder eine Wohnung bot ihm niemand. Dann kam der erste Auftritt, es war im November 2010. Rafael konnte sich kaum auf den Kampf vorbereiten, aber es war ja auch gedacht dass er als Prügelknabe dienen sollte, dem Gegner Michael Schubov zu dessen weiteren Aufbau verhelfen sollte.

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Wahlhamburger Rafael Bejaran

Rafael Bejaran jedoch zeigte seine Schnelligkeit und Beweglichkeit, boxte Schubov aus und gewann den Kampf. Sein Stil machte verschiedene Promotoren aufmerksam auf den Dominikaner, der nun seinen Spitznamen bekam,  „Karibik-Tiger“. Wenige Monate später flog Bejaran wieder nach Deutschland, kämpfte gegen den Deutschen Cagri Ermis. Der Kampf ging verloren und noch heute hadert Rafael mit der Entscheidung der Kampfrichter, sieht sich als Sieger dem der Sieg gestohlen wurde. Die Punktrichter hatten eine sehr umstrittene Entscheidung zu Gunsten des Deutschen gefällt.

Schon bald kam die nächste Einladung aus Deutschland, als Aufbaugegner wurde er gerufen und diesmal wusste der Karibik-Tiger: es geht um Alles oder Nichts. Aufbaugegner allein kann nicht genug sein, Deutschland muss zu seiner Basis werden. So bereitete er sich verbissen auf seinen Kampf vor und zeigte keine Gnade mit dem Gegner. Nach 1:20 Minuten lag Milan Ruso K.O. am Boden.

Es war wohl eine Fügung des Schicksals. Eine Frau erfuhr, dass Rafael Bejaran in Hamburg keine Bleibe hatte, im Box-Camp untergebracht war. Die Frau bot dem Dominikaner in ihrem Haus eine Bleibe an. Als man dann in diesem Haus einen Sieg feierte, lernte Rafael die Nichte der Hausdame kennen, Stefanie. Wieder war das Schicksal dem Dominikaner wohl gesonnen. Eine Kolumbianerin, die in jungen Jahren mit ihrer Mutter nach Deutschland gekommen war, war die Nichte der Vermieterin und wohnte der Siegesfeier bei. Es war Liebe auf den ersten Blick, zumindest hatte dies Stefanies Mutter gesehen, die ihrer Tochter gleich sagte: Rafael ist Dein perfekter Partner.

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Die große Liebe wird besiegelt, Stefanie und Rafael

Stefanie und Rafael blieben in Kontakt, man chattete, telefonierte und man traf sich wieder. Langsam entwickelte sich die Liebe und Stefanie sagt heute: Rafael ist ein Mann auf den ich mich verlassen kann, der sein Wort hält und so wurde nach einigen Monaten geheiratet. Am 18. April 2016 gebar Stefanie Zwillinge, diese beiden sind der große Stolz des Dominikaners.

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Heimaturlaub 2016/2017 mit der Familie in der Heimat, Dominikanische Republik

Seither hat er eine dreifache Belastung die er meisterlich absolviert. Familienvater, Arbeiter, Profiboxer. Der Arbeitsalltag des Familienvaters beginnt um 4 Uhr morgens. Er hilft am Morgen noch schnell beim Wickeln der Babys, dann geht es zur Arbeit. Ein Fulltime-Job als Gabelstapler Fahrer liegt vor Rafael, 12 Stunden. Von Morgens 5 Uhr bis Nachmittags 17 Uhr dauert eine Schicht, inklusive Arbeitspausen. Hier bei der Arbeit ist der Dominikaner geschätzt bei seinen Kollegen wie auch vom Chef, er gilt auch hier als fleißig und zuverlässig. Wenn der Arbeitstag beendet ist, fährt Rafael direkt ins Boxzentrum.

Hier beginnt das Training um 18 Uhr, das volle Programm liegt Tag für Tag an. Kraft, Kondition und Schnelligkeit, täglich hartes Training. Seilchen Springen, Sandsack, Schattenboxen. Sparring. Nach einer erfrischenden Dusche geht es dann endlich nach Hause. Es ist dann gegen 21 Uhr, Ehefrau Stefanie wartet mit dem Essen auf ihren Karibik-Tiger. Ein kurzer Blick und ein wenig Zeit mit den Zwillingen verbringen, falls diese noch nicht schlafen, dann schläft auch Rafael, der Wecker klingelt schon bald. Es ist ein harter Tag, aber der Dominikaner verfolgt klare Ziele. Für diese Ziele muss man Opfer bringen.

Das Ziel: Weltmeister werden. Beim Boxverband WBC wurde er bereits Deutscher Meister im Mittelgewicht, auch den Gürtel als Eurasienmeister holte sich der Dominikaner in dieser Gewichtsklasse.

Das harte und strebsame Leben unseres Karibik-Tigers erhielt jedoch einen Schicksalsschlag. Seine Liebe zum Boxsport wurde beschädigt durch die Hamburger Universum Box-Promotoren und den WBO Boxverband. Das führte dazu, dass Bejaran von 2013 – 2015 keinen Kampf mehr absolvierte. Immer wieder hatte man ihm Kämpfe versprochen, er bereitete sich akribisch vor und dann kamen die Absagen. Als amtierender WBO-Europameister wurde er für zwei Kämpfe angeheuert. Einmal brachten zwielichtige Geschäftsleute den Boxer um die ganze Gage, bei einem anderen Kampf speiste man ihn mit 800 Euro ab, wobei die Kampfgage 3.500 Euro betrug. Bei dem Kampf zog sich Rafael noch eine Verletzung zu, seine Minigage gibt für Arztkosten drauf.

Der Boxsport zeigte seine schlechte Seite, Schiebung und Betrug. Als stolzer Dominikaner kämpfte Bejaran hart und wurde um seine Gage gebracht, sein Einsatz zahlte sich nicht aus, die Familie geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Allein das schmale Gehalt der Verkäuferin und Ehefrau Stefanie musste dem Paar reichen. Boxer Rafael war am Ende.  Bejaran wollte nicht mehr boxen, der Stiefvater seiner Frau verhalf ihm damals zum heutigen Job bei einem Getränkehandel. Zumindest konnte Rafael nun arbeiten, Geld verdienen, etwas zum Haushalt beitragen.

Dann aber gab es eine glückliche Wende. In einem karibischen Restaurant trifft Bejaran auf den Box-Promotor Thomas Nissen. Der ist mit einer Dominikanerin verheiratet und überredet den Karibik-Tiger dazu, die Boxhandschuhe wieder anzuziehen. Das war 2015 und Rafael Ehefrau Stefanie war wenig begeistert. Mit den gemachten Erfahrungen im Boxsport hatte sie mit dem Thema eigentlich abgeschlossen. Rafael wollte aber boxen, es ist seine Leidenschaft und unbestritten besitzt er alles, was ein Sportler mitbringen muss: Willen, Disziplin und Energie. Stefanie gab dem Wunsch ihres Ehemannes nach, dessen Doppelbelastung Arbeit / Profiboxen begann.

Es war eine Bedingung, die Stefanie stellte, denn sie wollte die Sicherheit der Arbeit nicht aufs Spiel setzen. Bejaran bestreitet in 19 Monaten 8 Kämpfe, sein größter Erfolg ist der Gewinn des WBC-Eurasia-Pacific Titels. Der nächste Schritt: Es geht um den WBO-EM-Titel. 2011 hatte der Karibik-Tiger den Titel bereits, doch alle Errungenschaften gingen durch die Kampfpause von 2 Jahren (2013-2015) verloren. Der EM Titel war wieder vakant, denn der Kampf zwischen Rafael Bejaran und Soufiene Ouerghi endet Unentschieden. Der Wahl-Hamburger erhält bei dem Fight einen Kopfstoß, später entsteht hier ein Cut. Auch wenn der Karibik-Tiger seinen Gegner über weite Strecken kontrollieren konnte, es gelingen Ouerghi immer wieder spontane Angriffe denen sich Rafael erwehren muss.

Für Bejaran und seinen Promoter stellte sich nun eine neue Frage: Erneut um den vakanten Titel des WBO Europameisters antreten? Oder gar um die Weltmeisterschaft boxen? Man entschied sich für die letztere Variante, ein Wagnis. Denn nun muss Bejaran in einer anderen Gewichtsklasse antreten. Statt im Mittelgewicht zu boxen muss er nun „abspecken“, im Halb-Mittelgewicht darf er nicht mehr als 69,9 kg wiegen. Abnehmen ist nicht einfach für einen Mann, der nur aus Muskeln besteht. Doch Bejeran setzt auf das Risiko, baut Gewicht ab und tritt zum Weltmeisterschaftskampf am 2. April 2017 an.

Der amtierende Weltmeister musste aus gesundheitlichen Gründen den Titel abgeben, jetzt muss Bejaran gegen den Südafrikaner Nkululeko Mhlongo (15-3-0 / 11 KO) antreten. Der Gegner hat sich ebenfalls für einen WM-Kampf qualifiziert und gilt als gefährlich. Er schlägt zu wie ein Pferd, sagt man dem Afrikaner nach. Die 11 K.O. Siege (bei 15 Kämpfen) bestätigen diese Aussage sehr deutlich.

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Am 2. April 2017 geht es um die WM!

Rafaels Trainer Khoren Gevor muss nicht nur das Gewicht seines Schützlings reduzieren, man muss auch die Technik verbessern. Die Qualität der Schnelligkeit kann Rafael dazu verhelfen, den schweren Schlägen des kommenden Gegners auszuweichen. Die schnellen Schlagfolgen von Bejaran jedoch sollen der Präzision weichen, die Genauigkeit der Treffer wird nun verbessert. Schafft Bejaran den Sieg, dann erfüllt er sich einen Jugendtraum, kann im Profisport etwas mehr verdienen und vielleicht stimmt Ehefrau Stefanie dann auch zu, dass er seinen Job für einige Zeit aussetzt. So kann er sich besser auf seine Kämpfe vorbereiten, hat mehr Zeit für die Familie. Wir drücken dem Karibik-Tiger die Daumen und werden zum bevorstehenden Kampf separat berichten.

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